Schei* auf Morgenroutine – Abendroutine ist der neue Lifehack
- leonieleodolter
- 1. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Juni

Morgenroutinen: Sie sind überall. Business-Influencer, Fitness-Influencer, Lifestyle-Influencer, Sonstwas-Influencer – alle haben sie für sich entdeckt. Jeder scheint die Formel für Erfolg gefunden zu haben. „Das ist die Morgenroutine für Millionäre!“, „Mit dieser Morgenroutine deinen Traumkörper erlangen!“ oder mein Liebling: „Wer DAS nicht in seine Morgenroutine einbaut, wird nie erfolgreich werden!“ – Okay Jürgen, wir habens verstanden.
Das Versprechen dahinter: Wer den Morgen kontrolliert, kontrolliert sein Leben.
Wie die perfekte Morgenroutine aussieht
Morgenroutinen stehen für Disziplin, Fokus und einen produktiven Start in den Tag. Am besten: früh aufstehen, Journaling, Sport, kalte Dusche, gesundes Frühstück und dann motiviert in den Tag starten. Alles gute Ideen – keine Frage.
Einer der „Trendsetter“ in diesem Bereich war Hal Elrod mit seinem Buch The Miracle Morning. Er prägt darin den Begriff S.A.V.E.R.S. = Silence, Affirmations, Visualization, Exercise, Reading, Scribing. In diesem Zusammenhang wurden die angeblichen Morgenroutinen von Business-Vordenkern und berühmten Persönlichkeiten öffentlich gemacht – wie Eisbäder, 5 Uhr aufstehen und intensive Sporteinheiten –, die dann das Narrativ des „Cheat Codes“ für Reichtum und Erfolg schufen.
Durch das Aufkommen von Instagram und Tiktok und dem damit verbundenen „Aesthetic Lifestyle“ wurde das Thema weltweit verbreitet und in den Mainstream getragen. Jetzt findet man an jeder Ecke (ja, wirklich an JEDER Ecke) des Internets Schritt-für-Schritt-Anleitungen in den unterschiedlichsten Formen und Farben.
Aber was genau steckt hinter dem Morgenroutinen-Hype?
Es geht bei einer Morgenroutine viel weniger darum, was du machst, es geht eher darum, dass du überhaupt etwas machst. Auf psychologischer Ebene geht es vor allem um die Vermeidung von mentalem Stress und den Aufbau von innerer Sicherheit. Also den Tag mit bewussten Tätigkeiten zu beginnen.
Also, ein Eisbad oder eine intensive Sportsession gleich nach dem Aufstehen machen dich nicht automatisch zum Millionär. Aber: Routinen geben Sicherheit – und Sicherheit schafft freie mentale und emotionale Kapazitäten. Ob deine Routine jetzt 10 Minuten oder eine Stunde dauert, spielt dabei ebenfalls keine Rolle – wichtig ist, dass diese Routine zu dir passt.
Ich werde an dieser Stelle jetzt auch nicht näher darauf eingehen – wer genauer über die Hintergründe von Morgenroutinen Bescheid wissen möchte, wird im Internet sicher sehr schnell fündig.
Der Denkfehler hinter klassischen Morgenroutinen
Ich selbst habe auch eine Morgenroutine. Diese ist mir auch wichtig – ich will Morgenroutinen also nicht als Blödsinn abtun. Ich plädiere aber stark dafür, diese „Millionärs-Routinen“ zu ignorieren und eine eigene, kleine, aber bewusste Routine zu bauen, die dich für den Tag stärkt und vorbereitet.
Außerdem beschäftigt mich eine Frage schon lange: Was bringt eine 2-Stunden-Morgenroutine, wenn ich danach in einen komplett chaotischen, stressigen und überladenen Tag starte?
Soll mich die Morgenroutine darauf vorbereiten, den Stress des Tages besser wegzustecken?
Also, in meinen Augen ist das einfach nur klassische Symptombehandlung und ignoriert vollkommen den Ursprung des Problems. Aber irgendwie trifft das ja fast den Puls unserer Zeit – Symptom- statt Wurzelbehandlung…
Eine Morgenroutine allein ist also nett, solange der restliche Tag aber im Chaos versinkt, eben auch nur das – nett.
Ich beschäftige mich viel damit, Strukturen, Workflows und Abläufe zu gestalten, die den Tag aus seinen chaotischen Fesseln holen sollen beziehungsweise es gar nicht erst so weit kommen lassen. Am Ende möchte ja niemand den ganzen Tag nur Feuer löschen, auf Abruf sein und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
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Was meiner Meinung nach wichtiger ist als eine Morgenroutine
Ich behaupte: Der eigentliche Hebel liegt nicht am Anfang des Tages, sondern am Ende.
Statt morgens ins Büro zu kommen und erstmal die Lage sondieren zu müssen, startest du sofort rein. Kein „Was mache ich heute?“, kein „Was steht heute an?“, sondern klare Aufgaben, Prioritäten und Entscheidungen. Nach einer Agenda, die du am Vorabend festgelegt hast – als du noch da warst, mitten im Prozess.
Was ist der Vorteil?
Am Ende deines Arbeitstages hast du klar im Schirm: Mit welcher Aufgabe bin ich heute nicht mehr fertig geworden, welche Aufgaben haben die nächste Deadline, findet morgen ein Meeting statt, was darf ich morgen auf keinen Fall vergessen usw. Wenn all das festgehalten ist, drehst du ab und gehst nach Hause- ein klares Ende.
Am nächsten Tag kommst du und startest einfach rein – ohne lange nachzudenken, ohne Fragezeichen, ohne Überraschungen. (Also keine Überraschungen, die vermeidbar gewesen wären.)
Bei mir reduziert das ganz stark diese Momente am Abend, wenn Körper und Geist eigentlich zur Ruhe kommen sollen und plötzlich noch ein Gedanke einschießt. Etwas, das unbedingt morgen erledigt werden muss – aus lauter Panik habe ich mir dann immer drei Erinnerungen gestellt, damit ich es bis morgen ja nicht wieder vergessen habe. Purer Stress. Unnötiger, purer Stress.
Dieses Prinzip kann man 1:1 auch auf unser Privatleben umlegen. Gerade der Alltag mit Kindern kann super stressig und unübersichtlich sein. Am Abend kurz durchgehen, was morgen alles ansteht, und der Kopf fühlt sich gleich viel leerer und geordneter an.
Und bevor sich jetzt jemand beschwert: „Du hast ja keine Kinder, du hast keine Ahnung, wie das ist!“ – Stimmt. Hab ich nicht. Ich hab aber 4 Jahre lang als Sozialpädagogin in einer WG gearbeitet – ich musste in der Früh 8 Kinder schulfertig bekommen. Hätten wir da nicht schon am Vorabend vorbereitet und ich nicht nochmal vor dem Schlafen gehen meine Gedanken geordnet, wäre schnell mal totales Chaos ausgebrochen. Also doch, irgendwie kann ich schon mitreden.
Aber jetzt konkret:
Was eine gute Abendroutine wirklich leisten muss
Mit Abendroutine meine ich kein Wellness-Ritual mit: Bad nehmen, Glas Wein bereitstellen und Duftkerzen anzünden, um den Stress des Tages zu vergessen. Sondern ein operatives System nach klaren Regeln für die Abläufe des kommenden Tages.
Anschluss an den heutigen Tag:
Wir kennen das doch alle: der Feierabend rückt näher, man kann es schon gar nicht mehr erwarten ... endlich abschalten. Am nächsten morgen kommt man wieder und muss erstmal überlegen - was hab ich gestern nochmal gemacht? Wie wollte ich nochmal diesen Artikel abschließen - da hatte ich ja gestern noch eine gute Idee?! usw.
Termine:
Meetings, Termine und noch mehr Meetings ... manchmal passiert gefühlt alles gleichzeitig und am besten auch noch spontan.
Prioritäten & Aufgaben:
Deadlines und spontane To-dos. Andauernd kommt was neues rein und schnell ist es so weit: man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Was war nochmal so wichtig, dass es unbedingt heute erledigt werden muss? Brauchen wir fürs Meetings noch etwas? Wer kümmert sich eigentlich um die Kampagne?
Vorbereitung & Kontext:
Schon einmal erlebt: Dein Kind kommt Donnerstag Abend - wenn eigentlich Schlafenszeit ist - und sagt: "Aja Mama, ich brauche morgen in der Schule 700 leere Klopapierrollen, eine neue Deckweiß und einen Rosshaarpinsel Stärke 2,5 mit!" ..........
Springst du vor Freude in die Luft oder ärgerst du dich in dieser Situation eher? ..... Jaaa genau, ich glaube ich kenne die Antwort.
Kinder müssen vorausschauendes Denken erst lernen, Erwachsene sollten das jedoch schon können - trotzdem sehe ich immer wieder Menschen die, am Abend vor einem Event, einem wichtigen Meeting oder Gespräch den Stress ihres Lebens bekommen weil sie noch so viel vorbereiten oder besorgen müssen - am Abend vorher ...
Nicht vergessen: Struktur soll einen Rahmen vorgeben, keinen Käfig bauen! Genau so viel, dass man gut vorbereitet ist aber flexibel genug reagieren kann.
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Um diese kleine Planungsphase bewusst abzuschließen. Gehe nochmal deinen heutigen Tag durch – welche Aufgaben hast du erledigt, wo hast du vorgearbeitet? Welche Aufgaben wurden gewollt verschoben und sind absichtlich noch offen? Das kann helfen, nichts zu übersehen.
Ganz bewusst nochmal den Tag durchzugehen, zeigt dir auf, was du heute alles geschafft und geleistet hast.
Ich wünsche mir für dich, dass du deine Leistung dann auch annehmen und würdigen kannst!
Diese 5 einfachen Schritte helfen mir dabei, am Abend leichter abschalten zu können. Ganz ohne Flashbacks und Gedankenkarussell. Ein klarer Abschluss des heutigen Tages und ein klarer Beginn des morgigen Tages.
Wir wissen ja schon: Struktur gibt Sicherheit, und Sicherheit schont mentale und emotionale Ressourcen.
Fazit
Eine Morgenroutine kann deinen Start verbessern und dir bewusst Zeit für dich geben. Eine Abendroutine entscheidet, wie dein gesamter Tag verläuft und bringt nachhaltige Erleichterung – nicht nur „Pauseninseln“ die drohen im Chaos zu versinken.
Wenn du zwischen beidem wählen musst, ist die Entscheidung klar:
Plane deinen Tag, bevor er beginnt.
Mein einfaches Template kann dir dabei helfen, deinen Morgen strukturiert vorzubereiten. Es bildet einen optimalen Einstieg für dich!
Fragen aus dem Text:
Ist eine Abendroutine wichtiger als eine Morgenroutine?
Meiner Meinung nach: Ja, weil sie den nächsten Tag vorbereitet. Während eine Morgenroutine den Einstieg verbessert, sorgt eine Abendroutine für Klarheit, Prioritäten und einen strukturierten Start ohne Entscheidungsstress.
Warum fühlen sich viele Tage trotz Morgenroutine chaotisch an?
Weil die Struktur fehlt. Eine Morgenroutine kann dich mental vorbereiten, ersetzt aber keine klar definierten Aufgaben, Prioritäten und Abläufe für den restlichen Tag.
Was bringt eine Abendroutine konkret im Arbeitsalltag?
Eine gute Abendroutine reduziert Entscheidungsaufwand am nächsten Tag. Du startest direkt mit klaren Aufgaben, statt Zeit mit Orientierung, Priorisierung oder Reaktion auf Chaos zu verlieren.
Wie sollte eine effektive Abendroutine aussehen?
Kurz und strukturiert: offene Aufgaben festhalten, Termine prüfen, Prioritäten setzen, den nächsten Tag grob planen und den aktuellen Tag bewusst abschließen.
Wie lange sollte eine Abendroutine dauern?
In der Regel 10–20 Minuten. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern dass alle relevanten Punkte für den nächsten Tag geklärt sind.
Hilft eine Abendroutine gegen Stress und Gedankenkarussell?
Ja. Offene Punkte werden geklärt und aus dem Kopf ausgelagert. Das reduziert mentale Belastung und erleichtert das Abschalten am Abend.
Kann eine Abendroutine auch im Privatleben helfen?
Ja. Besonders bei komplexem Alltag (z. B. Familie, Termine) schafft sie Übersicht und reduziert Stress am nächsten Tag durch bessere Vorbereitung.



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