New Fear Unlocked: du arbeitest noch selbst? Cute.

Wie KI das alte „schnell und einfach reich werden“-Versprechen plötzlich wieder glaubwürdig macht
Unsere Welt dreht sich schnell. Das Internet dreht sich schneller. Zwei Mal um die eigene Achse und schon wieder sprießen neue, junge Selfmade-Millionäre aus dem Boden .. bzw. aus den Kinderzimmern.
Reich werden mit KI ist das neue Dropshipping der 22-jährigen Dubai-Millionäre.
Du kennst sie vermutlich. Meistens ziemlich jung, erstaunlich erfolgreich und mit irgendeinem KI-Business, das angeblich fast von alleine Geld verdient. KI-generierte YouTube-Videos in denen ein Apfel und eine Zitrone gegeneinander kämpfen (WTF), digitale Produkte, faceless Instagram-Accounts, Pinterest-Pins, Blogs oder was auch immer sich gerade möglichst schnell generieren und ins Internet stellen lässt.
Das Versprechen ist immer ähnlich: Ein paar Tools, die richtigen Prompts, möglichst viel automatisieren – und zack, schon hast du dir nebenbei ein Business aufgebaut. Ohne besondere Vorkenntnisse, ohne großes Startkapital und natürlich mit erstaunlich wenig Arbeit – direkt aus dem Kinderzimmer.
Und das Beste daran?
Du kannst das auch.
Wie genau, erfährst du dann im Kurs, Newsletter oder Guide.
Und spätestens da werde ich ein bisschen misstrauisch. Denn manchmal sieht es verdächtig danach aus, als würde das vermeintliche KI-Business vor allem deshalb so gut funktionieren, weil sich eben ziemlich gut damit verdienen lässt, anderen Menschen zu erklären, wie einfach man mit KI Geld verdienen kann.
Was mich daran aber fast noch mehr stört, ist das, was dieses Versprechen gerade mit dem Internet macht.
Denn wenn du Menschen erzählst, dass sie nur möglichst schnell möglichst viel KI-generierten Content produzieren müssen, um damit Geld zu verdienen, passiert etwas …
Guess what: Sie produzieren möglichst schnell möglichst viel KI-generierten Content.
Und genau da hört das Ganze für mich auf, nur ein etwas nerviger Online-Business-Trend zu sein. Denn hinter diesem Hype steckt ein Versprechen, das überhaupt nicht neu ist:
Schnell und einfach Geld verdienen, ohne sich besonders intensiv mit dem eigenen Business beschäftigen zu müssen.
KI ist nur die neueste Begründung dafür, warum es dieses Mal angeblich wirklich funktionieren soll.
Und das Schlimmste: Ich verstehe, warum das funktioniert
Es wäre ziemlich einfach, sich über diese Videos lustig zu machen.
Der 22-Jährige vor irgendeinem Infinity Pool in Dubai, der dir erklärt, wie er mit drei KI-Tools und zwei Stunden Arbeit am Tag ein sechsstelliges Business aufgebaut hat. Laptop auf dem Schoß, Palmen im Hintergrund und natürlich die ziemlich eindeutige Botschaft: Das könntest du auch haben.
Und ich würde gerne behaupten, dass ich darüberstehe. Tue ich aber nicht.
Obwohl ich – genau wie du – weiß: DAS. IST. BULLSHIT.
… doch plötzlich fühlt sich normales Arbeiten wie ein Fehler an
Schließlich haben wir jetzt KI. Jetzt müsste doch alles schneller und einfacher gehen. Warum nochmal baue ich meine Produkte selbst? …
Dabei möchte ich ganz sicher nicht zurück zum Hustle-Märchen, bei dem Selbstständigkeit bedeutet, sich sieben Tage die Woche zu Tode zu arbeiten.
Aber zwischen „Ich arbeite mich für mein Business kaputt“ und „ChatGPT baut mir in drei Wochen ein Millionenbusiness“ liegt ziemlich viel.
Ein Business braucht Arbeit. Entscheidungen, Ausprobieren, Auseinandersetzung und Zeit. KI kann uns davon einiges abnehmen – aber sie macht diese Realität nicht plötzlich überflüssig.
Das „schnell und einfach“-Versprechen ist nämlich gar nicht neu.
Es trägt jetzt nur einen KI-Hoodie.
Und die Geschichte dahinter ist dieselbe: Alle anderen haben verstanden, wie einfach es geht. Nur du arbeitest noch.
Hörst du die Ironie? Klar. Also BITTE - egal ob Instagram Post, TikTok-Reel oder Pinterest-Pin – sobald dort steht: „… über Nacht …“, „5-stellig verdienen“, blablabla – BITTE scroll weiter. Dieser Content zielt rein auf deine Wünsche und Sehnsüchte ab. Mehr ist da meistens nicht dahinter.
… und nein, neu ist das für dich auch nicht. – Ich wollt’s nur nochmal in Erinnerung rufen. Manchmal braucht man einen kleinen Reminder – ich kenn das.
Weniger Arbeit? Sehr gerne.
Beim eigentlichen Ziel bin ich nämlich eigentlich sogar dabei. Ich möchte kein Business, für das ich mich zu Tode arbeiten muss. Ich möchte keine Aufgaben von Hand erledigen, die längst ein System übernehmen könnte. Und ich möchte meine Zeit ganz sicher nicht mit Arbeit verbringen, die überhaupt keinen Wert schafft.
Ich möchte also durchaus weniger arbeiten. Aber nicht dadurch, einfach alles KI übernehmen zu lassen. Das ist nämlich einfach Bullshit. Sorry, not sorry.
Denn auch KI-generierte Arbeit ist am Ende Arbeit. Wenn ich einen unnötigen Arbeitsschritt automatisiere, ist er immer noch ein unnötiger Arbeitsschritt. Hätte ich mich vorher mit meinen Abläufen beschäftigt, wüsste ich das und hätte eine Menge Zeit und Ressourcen sparen können.
So einfach ist das. Kein großer Zauber. Nicht so spannend wie ein KI-Agent. Sondern ganz einfach und altmodisch: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alltag.
Eigentlich erstaunlich wie lange genau dieses Problem im Unternehmertum schon vorherrschend ist und wie es auch durch die Besten Tools, Automatisierungen und KI nicht verschwunden ist.
Es liegt eben nicht an Tools, Automatisierungen oder KI – sondern am Menschen dahinter. Punkt.
Genau deshalb möchte ich meine Arbeit verstehen, bevor ich anfange, sie an KI abzugeben.
Nicht weil ich jeden Handgriff für immer selbst machen möchte. Ganz im Gegenteil.
Ich möchte wissen, welche Arbeit in meinem Business tatsächlich notwendig ist, welche einfacher werden kann, welche ein System übernehmen sollte – und welche gar nicht erst entstehen müsste.
Erst dann wird KI für mich wirklich interessant.
Vielleicht werde ich mit dieser Einstellung keine KI-Business-Millionärin mit Infinity Pool in Dubai.
Damit kann ich leben.
Denn ich möchte gar kein Business ohne Arbeit.
Ich möchte ein Business ohne unnötige Arbeit.
So finde ich überflüssige Arbeit in meinem Alltag: Less Work. More Value.



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