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The Content Nobody Asked For: Warum wir mit KI plötzlich Arbeit produzieren, die vorher niemand vermisst hat

leonieleodolter
1. Sept.
4 Min. Lesezeit

Ich mag Pinterest. Wirklich.

Vielleicht nervt es mich genau deshalb so sehr, dass ich inzwischen ständig über diesen einen Pin stolpere …

 

Ich könnte kotzen, wenn ich noch einen KI-generierten Pinterest-Pin sehe


Du weißt vermutlich sofort, welchen ich meine.


Große, fette Überschrift oben. Darunter irgendein kleiner erklärender Satz. Dann fünf bis sieben Informationsblöcke mit Icons, Häkchen oder kleinen Illustrationen. Rechts noch ein Laptop, eine Pflanze, ein Notizbuch oder irgendein anderes hübsches Deko-Element. Unten vielleicht noch ein „Tipp“-Kasten.


Andere Farbe. Anderes Thema. Andere Überschrift.

Aber immer derselbe Pin. Bunt. Überfüllt. KI-generiert.


Versteh mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen KI generierte Bilder oder wenn sich jemand von einer KI Ideen geben und helfen lässt – mach ich auch.


Mich nervt diese Masse an Content, bei der man das Gefühl bekommt, dass niemand mehr eine wirkliche gestalterische oder inhaltliche Entscheidung getroffen hat. Prompt rein, Pin raus, nächster.


Und weil das inzwischen jeder kann, sehen wir denselben Aufbau nicht zweimal oder zehnmal, sondern gefühlt tausendmal – alle mit demselben Prompt, aus dem Workbook desselben Creators erstellt. Cool.


Sieht hübsch aus. Sagt nichts (oder vielleicht doch?). Willkommen im KI-Content-Zeitalter.

Ich weiß nicht ob sie etwas aussagen, ich schau sie mir nicht mehr an. Denn wenn mein gesamter Feed aus Variationen derselben KI-Schablone besteht, wird aus effizienter Content Produktion einfach nur mehr Müll. Sorry, not Sorry.

 

Können wir bitte aufhören, das Internet mit KI-Content vollzumüllen?


Pinterest ist dafür gerade ein wunderbares Beispiel. Eigentlich ist die Plattform ein Ort, an dem Menschen nach etwas suchen: nach einer Idee, einer Lösung, Inspiration oder vielleicht einfach nach diesem einen verdammten Regal, das exakt in die 83 Zentimeter breite Nische im Flur passt.


Dann kam KI. Und plötzlich können wir Inhalte in einer Geschwindigkeit produzieren, die vorher schlicht nicht möglich war. Texte, Ideen, Überschriften, Pins – ein paar Prompts und wenige Minuten später steht der Content … und ein großer Teil dieses Contents, ist Content der dir erklärt, wie du genau diesen Content auch erstellen kannst. Mit dem Lockruf „schnell & einfach Geld verdienen“

 

Herzlichen Glückwunsch. Dein Business produziert jetzt automatisch Content, den niemand braucht.


Technisch gesehen finde ich das ziemlich beeindruckend. Nur scheint irgendwo zwischen all diesen Möglichkeiten eine einfache Frage verloren gegangen zu sein: Wenn alle mit KI Content erstellen, wer hat dann eigentlich noch etwas zu sagen?


Denn mein Problem ist nicht, dass ChatGPT an einem Text beteiligt war oder ein Pin mithilfe von KI entstanden ist, wie gesagt … ich nutze KI selbst ständig. Schwierig wird es für mich dort, wo KI nicht mehr dabei hilft, die eigene Arbeit zu erledigen, sondern die Auseinandersetzung mit dieser Arbeit ersetzen soll.

Und genau deshalb ist Pinterest eigentlich nur das sehr sichtbare Beispiel für etwas, das gerade an vielen Stellen passiert.


Prompt rein. Business raus.


KI verspricht uns nicht nur schnelleren Content. Sie verspricht uns, dass Dinge, die bisher Zeit, Erfahrung und Auseinandersetzung gebraucht haben, plötzlich innerhalb weniger Minuten erledigt werden können.

Geschäftsidee entwickeln, Zielgruppe definieren, Angebot bauen, Content planen, Projekte aufsetzen, Aufgaben organisieren – für all das kann uns KI heute innerhalb von Sekunden erstaunlich brauchbare Ergebnisse liefern und wie immer steckt genau in „schnell und einfach“ auch die Gefahr: Etwas kann fertig aussehen, ohne dass wir verstanden haben, wie es funktioniert.


Ein Business besteht eben nicht aus einer KI-generierten Positionierung, einem Contentplan und einem hübschen Projektboard. Es besteht aus der Arbeit, die danach jeden Tag passiert.


KI kann mir einen Workflow für meine Contentproduktion erstellen. Ich muss trotzdem verstehen, wie ich entscheide, welche Inhalte entstehen und welche Schritte dafür notwendig sind. Sie kann aus einem Meeting Aufgaben erstellen. Ich muss trotzdem wissen, welche davon tatsächlich erledigt werden müssen und wer verantwortlich ist. Sie kann einen Projektplan schreiben. Ich muss trotzdem verstehen, wie dieses Projekt ablaufen soll, um beurteilen zu können, ob der Plan überhaupt etwas taugt.

Und genau deshalb macht KI vieles schneller – aber nicht automatisch leichter.


Du musst dein Business trotzdem verstehen


Vielleicht ist das die etwas unsexy Wahrheit hinter dem ganzen „Baue dein Business mit KI“-Versprechen: Natürlich möchte ich KI nutzen, um mir Arbeit abzunehmen. Ich möchte Dinge automatisieren, die nicht jedes Mal meine Aufmerksamkeit brauchen, und ganz sicher keine Arbeit selbst machen, nur weil ich sie theoretisch selbst machen könnte.


Aber bevor ich Arbeit abgebe, möchte ich wissen, was ich da eigentlich abgebe.


Und genau da lande ich wieder bei dem Thema, mit dem ich mich sowieso ständig beschäftige: Wie organisiere ich meine Arbeit eigentlich? Welche Aufgaben entstehen immer wieder? Wie laufen Dinge bei mir ab? Wo treffe ich Entscheidungen? Was davon braucht wirklich mich – und was mache ich vielleicht nur, weil ich es schon immer so gemacht habe?


Das klingt weniger aufregend als der nächste KI-Agent, ich weiß. Aber genau diese Auseinandersetzung macht für mich am Ende den Unterschied. Denn wenn ich meine eigene Arbeit nicht verstehe, kann ich auch nicht sinnvoll entscheiden, wo KI sie mir abnehmen soll.


Vielleicht nerven mich diese Pinterest-Pins genau deshalb so sehr. Sie erinnern mich jedes Mal daran, wie einfach es inzwischen geworden ist, etwas fertig aussehen zu lassen, ohne sich besonders lange damit beschäftigen zu müssen.


Bei einem Pin kann mir das ziemlich egal sein. Bei meinem Business möchte ich das nicht.


KI darf mir gerne Arbeit abnehmen. Aber zuerst möchte ich wissen, welche Arbeit ich überhaupt haben will.


Für mehr Verständnis für deine Businessabläufe - schau hier weiter.

 
 
 

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